SG beschreitet neue Wege digitalen Lernens

 

In fünf Pilotprojekt-Kursen setzen derzeit Schülerinnen und Schüler des Städtischen Gymnasiums Gütersloh erfolgreich ihre Smartphones und neue Laptops zu unterrichtlichen Zwecken im Rahmen des Ansatzes „Bring your own device“ (BYOD) ein.

Freitagmorgen, Physikkurs bei Herrn Imkamp: Die Schülerinnen und Schüler der Q1 (11. Jahrgang) sollen die Wechselwirkung zwischen benachbarten Magnetfeldern mit Hilfe von Magnetfeldsensoren untersuchen. Während alle anderen Schüler ihre Smartphones spätestens zu Beginn des Unterrichts in der Tasche verschwinden lassen, holen Imkamps Schüler eben diese jetzt heraus. Sie öffnen die eigens für diesen Unterricht installierte App und ihr Smartphone dient ihnen dank der eingebauten Sensoren als ihr persönliches Messinstrument. Mit der Kamera können sie anschließend die Verhaltensweisen der Magnetfelder filmen. Diese Kurzfilme werden dann von einem Videoanalyse-Programm auf schuleigenen Laptops bearbeitet, so dass die Daten digital vorliegen und zur weiteren Auswertung in Excel transferiert werden können.

 

Dieser Physikunterricht ist einer von fünf Projektkursen, in denen in diesem Schuljahr die in den Medien diskutierte digitale Revolution Einzug erhält. Längst gehören Smartphones, Tablets und Laptops zum Alltag der Schüler, nur in der Schule werden diese mobilen Endgeräte unzureichend eingesetzt. Nun macht sich das Städtische Gymnasium die Sicherheit der Schüler im Umgang mit diesen Geräten zunutze und setzt Smartphones und Laptops als Instrument zur Förderung des Lernens ein.

Die Vertrautheit und die Kreativität der Schüler im Umgang mit ihrem eigenen Gerät, die schulische Bereitstellung von WLAN und Leihlaptops und die fachliche und technisch kompetente Anleitung der Lehrer verändert den Unterricht bereits jetzt positiv: Die Schüler zeigen sich deutlich motiviert, loben die erhöhte Anschaulichkeit und Nähe der realen digitalen Welt im Unterricht und freuen sich, eigenes Wissen einbringen zu können. Als „digitale Botschafter“ bezeichnet Schulleiter Dr. Siegfried Bethlehem die jungen Menschen, deren Potenziale man in der Weiterentwicklung des Unterrichts unbedingt mitberücksichtigen sollte.

 

Lernen im 21. Jahrhundert soll nicht nur den technischen Gegebenheiten angepasst werden, sondern muss vor allem die Schüler kompetent zu einer souveränen, verantwortungsvollen Nutzung digitaler Medien befähigen. Die so genannten „Digital Natives“, also Kinder und Jugendliche, die von Anfang an mit digitalen Medien aufgewachsen sind, finden sich zwar schnell mit den neuen Geräten zurecht, müssen aber zusätzlich darin unterstützt werden, diese beim Lernen zu ausschließlich unterrichtlichen Zwecken einzusetzen. Wie diese Selbstregulation zunehmend gefördert werden kann, soll im Anschluss an das Pilotprojekt gemeinsam mit Lehrern, Schülern und Eltern überlegt werden.

 

Das Potenzial des Lernens mit mobilen Endgeräten liegt also nicht in der Nutzung der Geräte selbst, sondern in einem „Zusammenspiel [zwischen] geeigneter Software und einem durchdachten pädagogischen Setting“, stellen die Autoren des Abschlussberichts der wissenschaftlichen Evaluation eines BYOD-Pilotprojekts an Hamburger Schulen fest, der im November 2016 veröffentlicht wurde.

So gehört am SG neben der Bewusstmachung und kritischen Hinterfragung von Funktion, Wirkung und Bedeutung mobiler Endgeräte auch die Bereitstellung und Nutzung der Lernplattform moodle, digitaler Programme und Apps dazu. Zum Beispiel werden im Mathematik-Leistungskurs erschlossene Unterrichtsinhalte in Lernvideos erklärt, gefilmt und vertont, um sie mit Blick auf das Abitur langfristig zu sichern.

 

Um diesen Weg der Digitalisierung konsequent weiterzugehen, stellt das SG nun in Abstimmung mit der Schülervertretung 26 zusätzliche Laptops zur Verfügung, die zu gleichen Teilen vom Schulverein und der Osthushenrich-Stiftung bezahlt wurden. Diese Laptops ermöglichen eine umfangreichere Produktion digitaler Produkte wie Präsentationen, Dokumente und Beiträge im Rahmen des Unterrichts, die dann über die Lernplattform moodle für andere bereitgestellt werden können. Die gemeinsame Erarbeitung und Erstellung dieser Produkte fördert zusätzlich die Kooperation der Schülerinnen und Schüler. Eine Kompetenz, die von Arbeitgebern ebenso erwartet wird wie der sichere Umgang mit digitalen Medien.

Ergänzt wird der probeweise Einsatz von Smartphones und Laptops in Mathe und Physik durch vier Pilotkurse in Spanisch, Englisch und Geschichte. Hier testen und evaluieren die Oberstufenschüler den Umgang mit digitalen Wörterbüchern, recherchieren fachliche Hintergründe mit Hilfe ihrer Telefone und erstellen und präsentieren digitale Produkt einfacher und für alle verfügbar.

Ziel des Pilotprojektes, das am Städtischen Gymnasium noch bis Sommer 2017 läuft, ist die Evaluation des unterrichtlichen Einsatzes mobiler Endgeräte durch Lehrer, Schüler und Eltern. Auf Basis dieser Ergebnisse soll ein didaktisches Konzept entwickelt werden, das dann erprobt und langfristig in den Lehrplänen verankert werden kann.

Bildunterschrift:

Gemeinsam für zeitgemäßes Lernen – Schülerinnen und Schüler des SG mit ihren betreuenden Lehrern Imkamp, Klinner und Hund, dem Vorsitzenden der Schulpflegschaft Dr. Ole Wintermann, Schulleiter Dr. Siegfried Bethlehem und Geschäftsführer der Osthushenrich-Stiftung Dr. Burghard Lehmann (hinten v.l.)