„Geh deinen Weg“ – Studien- und Berufsorientierung am SG

Positive Zwischenbilanz von Schule und Förderern

„Das Coaching mit der Berufsberaterin ist mein persönlicher Jackpot gewesen und hat meine beruflichen Vorstellungen komplett gewandelt“, resümiert Alexander Moors, angehender Abiturient am Städtischen Gymnasium Gütersloh, die Bedeutung des Projektes „Geh deinen Weg“, das durch die Reinhard Mohn Stiftung unterstützt wird, auf Nachfrage von deren Vorsitzenden, Christoph Mohn.

Am vergangenen Freitag, dem 14. Februar 2020, war eine große Abordnung der Reinhard-Mohn Stiftung - Christoph Mohn, Dr. Erkan Uysal, Dr. Oliver Vorndran und 10 weitere Vorstandmitglieder – zum SG gekommen, um sich über den Stand und die Weiterentwicklung der Studien- und Berufsorientierung am Städtischen Gymnasium zu informieren. Die Informationen zu Zielen und Ablauf des Programms, welche die zuständigen Lehrkräfte Meike Winter und Bastian Klinner gaben, sowie die Rückmeldungen aus dem aktuellen Q2-Jahrgang, vertreten durch Lukas Büser, Fiona Guhe und Alexander Moors, zeigten dessen Vielfältigkeit und Chancen auf.

Foto: Im Brunnenhof des SG
Bastian Klinner, Britta Jünemann, Dr. Erkan Uysal, Christoph Mohn, Meike Winter, Dr. Oliver Vorndran, Axel Rotthaus (Vordere Reihe von links)
Lukas Büser, Alexander Moors, Fiona Guhe (hintere Reihe von links)

Zunächst hieß Frau Jünemann, stellvertretende Schulleiterin am SG, die Gäste herzlich im Theatersaal der Schule willkommen. Sie hob dabei hervor, dass die Kooperation zwischen Schule und Stiftung sehr gut verlaufe. „Gemeinsam haben wir bislang ein tolles Projekt bewältigt, das unseren Schülern eine qualitativ hochwertige Berufs- und Studienorientierung ermöglicht.“ Nun stehe im Fokus, wie man die vorhandenen Möglichkeiten weiter ausbaue. Wünschenswert wäre es, mehr Schülern, idealerweise allen SuS der Oberstufe diese Möglichkeit zu eröffnen.

Das Pilotprojekt „Geh deinen Weg“, das mittlerweile im dritten Jahrgang am Städtischen Gymnasium durchgeführt wird, umfasst einen Katalog von zusätzlichen Veranstaltungen zur Berufs- und Studienorientierung. Mit zunächst 25 Schülerinnen und Schülern der E-Phase startete das Programm 2016. Für einen Zeitraum von vier Jahren, also über das Abitur hinaus, nehmen die SuS zusätzlich an unterschiedlichen Modulen zu den Themen „Eigene Kompetenzen kennen und stärken, Studium und Universität, Ausbildung und Beruf“ teil. Die Reinhard-Mohn-Stiftung unterstützt gemeinsam mit der Bürgerstiftung und der Sparkassen-Stiftung die Erprobung verschiedener Formate, bei denen die Schüleraktivität im Vordergrund steht.

Wie positiv diese Angebote aufgenommen werden, zeigten die Erfahrungsberichte von Lukas, Fiona und Alexander, denen die Zuhörer gespannt lauschten. Als wegweisend nannten sie zum Beispiel die Veranstaltung „Lebenslinien“, bei der unterschiedliche Menschen über ihre persönlichen Lebenswege berichten. Andere Biographien kennenzulernen, habe ihnen dabei geholfen, ihre Überlegungen und Entscheidungen in Bezug auf ihren eigenen Lebensweg zu präzisieren und auch weitere Ideen in den Blick zu nehmen.

In dem anschließenden Erfahrungsaustausch antworteten die Oberstufenschüler kompetent auf die Nachfragen von Fördererseite. So betonten sie unisono, dass der geva-Test, das dazugehörige Coaching, die Berufsmessen und Hospitations- und Praktikumsmöglichkeiten an Hochschulen und bei Firmen besonders hilfreich gewesen seien. „Ich habe schon von klein auf gewusst, was ich später machen wollte. Fremdsicht aus verschiedenen Bereichen und Eigensicht haben Schwächen, die man verbessern kann, und Stärken gezeigt“, berichtete Lukas Büser. Und genau dies habe sie dazu gebracht, sich weiter zu orientieren.

Dass die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler über die Veranstaltungen ernstgenommen werden, stellte Meike Winter heraus. Auch hole man sich Rückmeldung an den Elternabenden. Einige Elemente seien für die Folgejahrgänge bereits ganz anders. Weiterhin erfolge ein regelmäßiger Austausch mit anderen Schulen im Rahmen des Berufsorientierungsprogramms KAoA (Kein Abschluss ohne Anschluss), betonte Klinner und wies auch auf die Möglichkeiten des Alumni-Netzwerks ehemaliger Schülerinnen und Schüler des SG hin, das mittlerweile 125 Mitglieder umfasst.

Langfristig gilt es, die Teilnehmer des Projektes noch mehr einzubeziehen. Durch neue Veranstaltungen und Workshops, die aufgenommen wurden, soll die Berufsorientierung einen aktiveren Charakter erhalten. Viele Heranwachsende stellen sich Fragen wie „Welche Wege gibt es?“, „Welche Alternativen habe ich?“ und „Was und wer kann mir helfen?“. Da ein aktives Mitgestalten durch die Lernenden beabsichtigt ist, stellt dieser Gedanke für größere Schülergruppen von ca. 200 pro Jahrgangsstufe eine echte Herausforderung für die Konzeption dar. Nun sollen die bestehende gute Zusammenarbeit u.a. mit der Agentur für Arbeit sowie den Firmen und Hochschulen aus dem Umkreis erweitert werden.

Britta Jünemann ergänzte, dass dieser kontinuierliche Prozess bei einer noch größeren Schüleranzahl nur durch die solide Kooperation mit Unternehmen und die Unterstützung durch Eltern möglich sei. Das Projekt biete zudem eine tolle Chance für Lehrer, Schüler aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Engagierte Eltern würden auch Aufgaben bei dem Projekt „Lebenslinien“ übernehmen und auch Firmenbesichtigungen begleiten. Das Resumee der Veranstaltung fiel von allen Seiten positiv aus. Aus Sicht der Förderer, konstatierte Christoph Mohn, sei man auf einem guten Weg. Die Idee, den Schülerinnen und Schülern Hilfen bei der Entwicklung von Alternativen zu bieten, damit ihre Lebenswege geradliniger verlaufen können, sei passend. Wichtig sei, „dass man das, was man macht, gerne macht!“. Falls man eine falsche Entscheidung z.B. bei der Wahl des Studienfachs getroffen habe, sei es gut, wenn man diese rechtzeitig korrigiert und über einen Plan B und C verfüge. Schulleiter Axel Rotthaus hob die vielen positiven Anknüpfungspunkte hervor und bedankte sich für die großzügige finanzielle und vor allen Dingen ideelle Unterstützung des Projektes durch die Stiftung.

Foto von Manuela Steuernagel
Text von Christina Maas und Meike Winter