11.06.2024

Schülerakademie Mathematik OWL in Warburg: Volle Konzentration und viel Aktion

Donnerstagabend, kurz vor 18 Uhr auf dem Kirchberghof in Warburg: Kaum ein Laut ist zu hören, obwohl 46 Schüler*innen zu Gast sind. In der Hofscheune simulieren die Schüler*innen auf Tablets mit der Geometriesoftware GeoGebra, unter welchem Winkel der perfekte Elfmeter geschossen werden muss, in der Klause programmieren die Schüler*innen mit einer Tabellenkalkulation mehrfache Verschlüsselungen von Botschaften, während in der Werkstatt erste Plakate für die Abschlusspräsentation des Projekts Platonische Körper entworfen werden. Die Suche nach der besten Lösung, Aneignung von zusätzlichem Fachwissen, aber auch Kooperation und Kommunikation sind Kompetenzen, in denen die Schülerakademien Mathematik besonders interessierte und begabte Schüler*innen fördern wollen.

Simon Jesinghausen stellt die Berechnungen zum perfekten Elfmeter vor

Bei der diesjährigen SAMOWL 6 war das SG mit den Schülerinnen Emma Wittenbrink und Maryam Moussaddak vertreten sowie Frau Flaßkamp und Herr Venz auf Seiten der Betreuer. Rainer Menze, Fachdezernent für Mathematik, zeigte sich bei seinem Besuch am Donnerstag beeindruckt vom Miteinander der Kinder und ihrer Freude an der Mathematik: „Obwohl sich die meisten erst seit einem Tag kennen, wird viel miteinander gelacht und intensiv an Mathematik gearbeitet.“ Dabei erlebte er die Kinder nur bei der obligatorischen Rallye mit Bonbonschätzen, Eierlaufen und Rätseln, ließ sich aber von den Schülern auch von ihrer Projektarbeit berichten.

Besonders viel zu erzählen hatten die Teilnehmer des Vermessungsprojektes, die zunächst mit selbstgebauten Winkelmessern, Maßbändern und einem Messrad die Diemelauen an der Warburger Altstadtbrücke auf Grundlage einer eigenständig geplanten Parkettierung vermessen hatten. Am Nachmittag ließen sie sich von Sebastian Brenke und Volker Schweins vom örtlichen Vermessungsbüro Brun-Kros-Brenke vorstellen, wie Profis mit einer Totalstation, GPS-Technik und Drohnenfotografie Vermessungen durchführen. Die Daten stellten Schweins und Brenke anschließend den Schüler*innen zur Verfügung, die damit ihre stark divergierenden Ergebnisse der Berechnungen mit dem Kosinussatz und GeoGebra überprüfen konnten. Mit etwas Abstand fanden die Schüler*innen den Fehler in zwei falsch abgelesenen Winkeln und ließen sich zum Schluss von ihren Lehrerinnen überzeugen, die Messwerte in eine klassische Zeichnung auf Millimeterpapier zu übertragen.

Lehrerin Amelie Walburg testet das Messen mit der Totalstation

Emma Wittenbrink stellt zusammen mit Bella Wang, Frieda Dürr und Hanna Jaworska die Ergebnisse des Projekts platonische Körper vor.

Genau in diesem Lernprozess des selbständigen Bestimmens des Vorgehens und der ständigen Überprüfung der Schritte besteht das Konzept der Schülerakademie, erklärt Michael Venz, seit 2005 als Lehrer und mittlerweile als Leiter der Veranstaltung dabei: Die Teilnehmer beschäftigen sich drei Tage mit einem ausgewählten Projekt in großer Selbständigkeit. Die acht Lehrerinnen und Lehrer stehen dabei als Lernbegleiter zur Seite. Ihre Hauptaufgabe ist es allerdings, den Schüler*innen zu Beginn die vier Projektbereiche vorzustellen.

Daniel Luis, Studienreferendar am Gymnasium Delbrück und Betreuer der Kryptologie-Projekts, war fasziniert vom Fleiß der Schüler*innen: „Einige blieben selbst in den Pausen an ihren Plätzen, um noch die dritte Version einer Vigenère-Verschlüsselung auszuarbeiten.“ Die besonderen Möglichkeiten der Werkstatt des Kirchberghofes nutzte wie in jedem Jahr die Gruppe „Platonische Körper.“ Die zehn Jungen und Mädchen erkundeten nicht nur die Eigenschaften dieser gleichmäßigen Körper, sondern fertigten mit Sägen und Schleifmaschinen auch reale Holzmodelle dieser Körper an.

Als es zum Schluss Urkunden für die Teilnehmer*innen gab, fragte eine Schülerin ungläubig: „Wir bekommen wirklich eine Urkunde dafür, dass wir drei Tage Spaß hatten?“ Der Applaus der Eltern für die tollen Projektergebnisse bestätigte schließlich, dass die Schüler*innen die Urkunden verdient hatten und das Konzept auch in diesem Jahr aufging. Auch Dezernent Rainer Menze und Organisator Michael Venz lobten die Schüler*innen, dankte aber auch den betreuenden Lehrkräften für drei intensive Projekttage, den beteiligten Schulen, die Personal, Laptops, iPads, Fußbälle und Demonstrationsmaterial bereitstellten sowie der Osthushenrich-Stiftung, ohne deren finanzielle Förderung die Akademien nicht durchführbar wären.