Die Schülerakademie Mathematik OWL (SAM-OWL)

 

Seit 2005 richtet das Städtische Gymnasium Gütersloh jährlich die Schülerakademie Mathematik für mathematisch interessierte und leistungsstarke Schüler im Auftrag der Bezirksregierung aus. Begann das Projekt mit 40 Schülerinnen und Schülern im Gästehaus für Jugend und Sport an der Dalke, maßgeblich getragen von Lehrerinnen und Lehrer des Städtischen Gymnasiums, gibt es mittlerweile neun Akademieangebote für die 6., 8. und 10. Klaasen an verschiedenen Standorten in OWL. Die größte Akademie richtet immer noch das Städtische Gymnasium Gütersloh aus, mittlerweile mit jährlich über 50 Teilnehmern auf dem Kirchberghof in Warburg und in Zusammenarbeit mit dem Einstein-Gymnasium Rheda, der Janusz-Korczak-Gesamtschule Gütersloh und dem Hüffertgymnasium in Warburg. Drei Tage lang beschäftigen sich die Schüler der 6. Klassen in Gruppen von 8-12 Schülern mit einem Projekt ihrer Wahl. Angeboten werden Themen aus der Zahlentheorie wie das Auftreten der Fibonacci-Zahlen in der Natur und der Kunst, die spielerische Nutzung von Teilbarkeitsregeln oder neu in diesem Jahr die Kryptologie. In einer Zeit von Abhöraffären und Datenklau boten Anne Holterkamp und Daniel Chognitzki eine Einführung in mathematische Verschlüsselungsmethoden, die mit statistischen Daten arbeitet. Das Spektrum der untersuchten Methoden, die am Schluss der Akademie traditionell von den Schülern den Eltern präsentiert werden, reichte dabei von der Cäsar-Verschlüsselung, die tatsächlich auf den römischen Feldherrn zurückgeht, bis zur Auswertung per Computer. Ein besonderes Projekt können wir in Warburg in der dortigen Holzwerkstatt durchführen: Hier werden platonische Körper dreidimensional gebaut, so dass Winkel und Kanten haptisch erfahrbar werden. Ein weiteres spezielles Projekt der Warburger Akademie ist die Vermessung der Diemel mit Hilfe von Winkelbeziehungen in Dreiecken. Dieses geometrische Thema ist im Schulstoff mittlerweile stark an den Rand gedrängt worden, spielt aber im realen Leben zum Beispiel bei der Nutzung von GPS-Koordinaten eine große Rolle. Das vom Hüffertgymnasium aus Warburg und vom Franz-Stock-Gymnasium aus Arnsberg betreute Projekt bringt den Schülerinnen und Schülern nicht nur die theoretischen Grundlagen näher, sondern zeigt den Teilnehmern auch durch Zusammenarbeit mit dem Warburger Vermessungsbüro Bremke, wie man das Problem mit moderner Technik löst.

10 Jahre Schülerakademie Mathematik OWL

Test der selbstgebauten Theodoliten auf dem Kirchberghofauf deAuf der Diemelbrücke an der Warburger Altstadt haben die Vermessungsingenieure Sebastian Brenke und Volker Schweins eine Totalstation aufgebaut, durch das hohe Gras der Diemelauen kämpfen sich Maurice Fleege und Anne Spiegelberg mit Peilstangen, während weitere Schüler mit Maßband und Pappscheiben auf dem Radweg hantieren. Fragen von Spaziergängern zu dem seltsamen Treiben beantworten die Schüler gern: „Mit Hilfe von Winkeln und Referenzstrecken bestimmen wir die Breite der Diemel.“ Mathematiklehrer Andreas Hennig vom Hüffertgymnasium ergänzt: „Das Projekt gehört zur Schülerakademie Mathematik, bei dem sich 49 Sechstklässler aus Ostwestfalen drei Tage lang mit interessanten Themen aus der Mathematik beschäftigen, die im täglichen Unterricht nicht vorkommen.“
Seit vier Jahren gastiert die Schülerakademie Mathematik für die Kreise Gütersloh, Paderborn, Lippe und Höxter auf dem Kirchberghof in Warburg. Insgesamt feiert die Akademie schon ihr 10-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum blickte Ingo Klemisch, Fachdezernent für Mathematik bei der Bezirksregierung Detmold, auf den Anfang zurück: „2005 hatten wir 100 Bewerbungen für 50 Schülerplätze, 2006 kam bereits ein zweiter Akademiestandort hinzu.“ 2011 zog das Gütersloher Organisationsteam nach Warburg um. Mittlerweile gibt es in Ostwestfalen-Lippe fünf Akademien für Klasse 6 und zwei mathematische Schülerakademien für Klasse 8. Trotzdem mussten aus 67 Bewerbungen für die Warburger Akademie die Teilnehmer ausgelost werden. Im nächsten Jahr plant die Bezirksregierung eine zusätzliche Akademie für die Oberstufe. Möglich ist dieses Angebot nur durch die Unterstützung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung und externer Sponsoren wie der Familie-Osthushenrich-Stiftung. Deren Geschäftsführer Dr. Burghard Lehmann zeigte sich offen für ein weiteres finanzielles Engagement der Stiftung: „Gern unterstützen wir die Begabtenförderung bei Kindern und Jugendlichen und freuen uns über das riesengroße Interesse der Schülerinnen und Schüler.“


Frau Dirks leitete das Projekt "Tischvermessung mit dem Lego-Roboter"Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums war auch Michael Uhlich, Schulabteilungsleiter bei der Bezirksregierung Detmold, nach Warburg gereist, um Sponsoren, den betreuenden Lehrern und den Schulen für die jahrelange Durchführung der Schülerakademien zu danken. Besonders beeindruckten den gelernten Juristen die versiert vorgetragenen Präsentation der Schüler: „Wenn ich mich nach 35 Jahren wieder an Winkelbeziehungen im rechtwinkligen Dreieck erinnere, ist das Euer Verdienst“, wandte Uhlich sich den Schülern zu.
Diese bekamen bereits während der Erarbeitung viel Lob der betreuenden Lehrer. „Wir mussten die Schüler sogar bremsen, die Vorträge für die Eltern nicht mit zu viel Theorie zu belasten“, berichtet Lehrerin Claudia Barton vom Einstein-Gymnasium aus Rheda über die Arbeit ihrer Gruppe, die mit Hilfe von Folgen aus der Zahlentheorie spielerische Aufgaben löste. Auch Dr. Kerstin Hesse, Dozentin der Universität Paderborn, zeigte sich überrascht von der schnellen Auffassungsgabe der Schülerinnen und Schüler. In dreißig Minuten brachte sie in ihrem Vortrag anlässlich des Jubiläums den Schülern Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung näher, mit denen die Sechstklässler prompt das Rätsel der Gewinnchancen bei nicht-transitiven Würfeln bestimmten.


Jonas Beutin in der HolzwerkstattEinen wichtigen Faktor für den Erfolg der Akademie bildeten auch die Möglichkeiten des Kirchberghofes. Die größte Projektgruppe untersuchte in der Holzwerkstatt nicht nur die Eigenschaften platonischer Körper, sondern baute sie auch selbst. „Beim Zuschneiden und Feilen der Kanten wird das räumliche Denken geschult“, erläutert Lehrerin Kathatina Bracke von der Janusz-Korczak-Gesamtschule aus Gütersloh der Lerneffekt und lobt Hofmitarbeiter Markus Wagener, der geduldig den Schülern die Maschinen erklärt und fehlende Teile schnell ergänzt.
Zum Schluss gab es viel Applaus der Eltern für das Akademieprogramm und die Leistungen ihrer Kinder, die auch ihre Fähigkeiten zu kritischen Reflektionen zeigten.

So erklärte Luca Kremer die 20-prozentige Abweichung der Schülerergebnisse bei der Breite der Diemel gegenüber den Werten der Vermessungs-Profis einleuchtend: „Unsere Pappscheiben haben eine geringere Genauigkeit als die Totalstation, wahrscheinlich kamen Zeichenungenauigkeiten dazu, vor allem aber haben die Disteln optimale Messpunkte verhindert.“