Die Schülerakademie Mathematik OWL (SAM-OWL) mit WM-Tipp 2018

Brasilien wird im WM-Finale mit 3:1 gegen Portugal siegen und sich für das Debakel von 2014 rehabilitieren! Diese Prognose hat jedenfalls die Projektgruppe „Fußball und Elfmeter“ bei der 14. Schülerakademie SAMOWL für Sechstklässler durch Simulationen ermittelt. Mit dabei waren vom SG Hagen Poier (Klasse 6f ) und als Projektbetreuer Christoph Kruse. „Unser Ausgangspunkt waren das ELO-Rating sowie die physikalischen Eigenschaften der Torhüter“, erklärt der Lehramtsanwärter. Alle Daten ordneten die Nachwuchs-Statistiker Augenzahlen eines Würfels zu und ließen dann ein Tabellenkalkulationsprogramm mit Zufallszahlen Hunderte von Spielen simulieren. Gekickt wurde natürlich auch: So probierten die Schüler zunächst selbst, wie sich ihre Körpergröße und die mögliche Raumabdeckung des Torwarts auf die Elfmeterquote auswirken.

Ganz anders arbeitete die Projektgruppe Zahlentheorie: Anhand des Sträflingsproblems aus der Spieltheorie erarbeiteten die jungen Mathematiker*innen Teilbarkeitsregeln, analysierten Primfaktorzerlegungen und Quadratzahlen und nutzten ihre neuen Erkenntnisse zum Erlernen von Kopfrechentricks.

Insgesamt nahmen 28 Schülerinnen und 24 Schüler von 27 Schulen auf Einladung der Bezirksregierung Detmold an der SAM OWL auf dem Kirchberghof in Warburg teil. Seit 2005 gibt es dieses Angebot für mathematisch besonders interessierte und begabte Schüler*innen. Das SG war von Anfang an als Ausrichterschule dabei, zunächst im Gästehaus für Jugend und Sport an der Dalke, später in Ascheloh, seit 2011 auf dem Kirchberghof. Das Freizeithaus bietet den Teilnehmer*innen ideale Arbeitsbedingungen und verfügt mit der Werkstatt sogar über die Option, archimedische Körper ganz plastisch aus Holz zu bauen. Teilnehmerin Amelie Olivia Rürup aus der 6e war begeistert von den am Modell erarbeiteten Eigenschaften, aber auch von den Kontakten, die sie in den drei Tagen knüpfen konnte.

In diesem Jahr hatten das Organisationsteam um Mathematiklehrer Michael Venz sogar sechs Projekte vorbereitet. Zum Konzept gehört es, dass die Betreuer den Teilnehmer*innen zunächst die Themen vorstellen und die Schüler*innen in zwei Tagen ein Projekt ihrer Wahl in einer Kleingruppe selbständig bearbeiten und ihre Ergebnisse am Ende der Akademie den Eltern präsentieren. Wie anspruchsvoll die Überlegungen der Schüler*innen sind, erlebte Schulleiterin Susanne Krekeler vom Warburger Hüffertgymnasium, einer der vier Ausrichterschulen: „Ich bin beeindruckt, wie die jungen Schüler mathematische Inhalte in unterschiedlichsten Bereichen von der Architektur und Natur bis zum Sport analysieren können, auch wenn ich über einige Formeln nochmal nachdenken muss.“

Das beliebteste Projekt war nicht wie vermutet die Fußball-WM, sondern mit 30 Erstwünschen die Kryptologie. Die von den Lehramtsanwärtern Christina Menne und Stefan Röwekamp betreute Gruppe analysierte Verschlüsselungstechniken von der antiken Skytale der Spartaner über die mittelalterliche polyalphabetische Vigenère-Verschlüsselung bis zu Grundlagen der von Banken benutzten RSA-Verschlüsselung.

Die Begeisterung der Schüler*innen war wie in den Vorjahren groß, so dass die häufigste Frage am Schluss lautete, wann die nächste Akademie stattfindet. „Im Moment gibt es acht Akademien in OWL für die Klassen 6, 7, 8 und 10“, konnte Organisator Michal Venz berichten, verriet aber, dass es Planungen und Gespräche mit Sponsoren gibt, eine weitere Oberstufen-Akademie ab 2019 anzubieten.

Michael Venz

 

 

10 Jahre Schülerakademie Mathematik OWL

Test der selbstgebauten Theodoliten auf dem Kirchberghofauf deAuf der Diemelbrücke an der Warburger Altstadt haben die Vermessungsingenieure Sebastian Brenke und Volker Schweins eine Totalstation aufgebaut, durch das hohe Gras der Diemelauen kämpfen sich Maurice Fleege und Anne Spiegelberg mit Peilstangen, während weitere Schüler mit Maßband und Pappscheiben auf dem Radweg hantieren. Fragen von Spaziergängern zu dem seltsamen Treiben beantworten die Schüler gern: „Mit Hilfe von Winkeln und Referenzstrecken bestimmen wir die Breite der Diemel.“ Mathematiklehrer Andreas Hennig vom Hüffertgymnasium ergänzt: „Das Projekt gehört zur Schülerakademie Mathematik, bei dem sich 49 Sechstklässler aus Ostwestfalen drei Tage lang mit interessanten Themen aus der Mathematik beschäftigen, die im täglichen Unterricht nicht vorkommen.“
Seit vier Jahren gastiert die Schülerakademie Mathematik für die Kreise Gütersloh, Paderborn, Lippe und Höxter auf dem Kirchberghof in Warburg. Insgesamt feiert die Akademie schon ihr 10-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum blickte Ingo Klemisch, Fachdezernent für Mathematik bei der Bezirksregierung Detmold, auf den Anfang zurück: „2005 hatten wir 100 Bewerbungen für 50 Schülerplätze, 2006 kam bereits ein zweiter Akademiestandort hinzu.“ 2011 zog das Gütersloher Organisationsteam nach Warburg um. Mittlerweile gibt es in Ostwestfalen-Lippe fünf Akademien für Klasse 6 und zwei mathematische Schülerakademien für Klasse 8. Trotzdem mussten aus 67 Bewerbungen für die Warburger Akademie die Teilnehmer ausgelost werden. Im nächsten Jahr plant die Bezirksregierung eine zusätzliche Akademie für die Oberstufe. Möglich ist dieses Angebot nur durch die Unterstützung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung und externer Sponsoren wie der Familie-Osthushenrich-Stiftung. Deren Geschäftsführer Dr. Burghard Lehmann zeigte sich offen für ein weiteres finanzielles Engagement der Stiftung: „Gern unterstützen wir die Begabtenförderung bei Kindern und Jugendlichen und freuen uns über das riesengroße Interesse der Schülerinnen und Schüler.“


Frau Dirks leitete das Projekt "Tischvermessung mit dem Lego-Roboter"Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums war auch Michael Uhlich, Schulabteilungsleiter bei der Bezirksregierung Detmold, nach Warburg gereist, um Sponsoren, den betreuenden Lehrern und den Schulen für die jahrelange Durchführung der Schülerakademien zu danken. Besonders beeindruckten den gelernten Juristen die versiert vorgetragenen Präsentation der Schüler: „Wenn ich mich nach 35 Jahren wieder an Winkelbeziehungen im rechtwinkligen Dreieck erinnere, ist das Euer Verdienst“, wandte Uhlich sich den Schülern zu.
Diese bekamen bereits während der Erarbeitung viel Lob der betreuenden Lehrer. „Wir mussten die Schüler sogar bremsen, die Vorträge für die Eltern nicht mit zu viel Theorie zu belasten“, berichtet Lehrerin Claudia Barton vom Einstein-Gymnasium aus Rheda über die Arbeit ihrer Gruppe, die mit Hilfe von Folgen aus der Zahlentheorie spielerische Aufgaben löste. Auch Dr. Kerstin Hesse, Dozentin der Universität Paderborn, zeigte sich überrascht von der schnellen Auffassungsgabe der Schülerinnen und Schüler. In dreißig Minuten brachte sie in ihrem Vortrag anlässlich des Jubiläums den Schülern Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung näher, mit denen die Sechstklässler prompt das Rätsel der Gewinnchancen bei nicht-transitiven Würfeln bestimmten.


Jonas Beutin in der HolzwerkstattEinen wichtigen Faktor für den Erfolg der Akademie bildeten auch die Möglichkeiten des Kirchberghofes. Die größte Projektgruppe untersuchte in der Holzwerkstatt nicht nur die Eigenschaften platonischer Körper, sondern baute sie auch selbst. „Beim Zuschneiden und Feilen der Kanten wird das räumliche Denken geschult“, erläutert Lehrerin Kathatina Bracke von der Janusz-Korczak-Gesamtschule aus Gütersloh der Lerneffekt und lobt Hofmitarbeiter Markus Wagener, der geduldig den Schülern die Maschinen erklärt und fehlende Teile schnell ergänzt.
Zum Schluss gab es viel Applaus der Eltern für das Akademieprogramm und die Leistungen ihrer Kinder, die auch ihre Fähigkeiten zu kritischen Reflektionen zeigten.

So erklärte Luca Kremer die 20-prozentige Abweichung der Schülerergebnisse bei der Breite der Diemel gegenüber den Werten der Vermessungs-Profis einleuchtend: „Unsere Pappscheiben haben eine geringere Genauigkeit als die Totalstation, wahrscheinlich kamen Zeichenungenauigkeiten dazu, vor allem aber haben die Disteln optimale Messpunkte verhindert.“