Die Geschichte des Städtischen Gymnasiums

Das heutige Städtische Gymnasium war zu Beginn ein Ort der „höheren Mädchenbildung“. Ostern 1887 wurde eine zweiklassige „Mädchen-Selekta“ eingerichtet. Es war das erste öffentlich organisierte Angebot an das Gütersloher Besitz- und Bildungsbürgertum für ihre Töchter. Die Eigenständigkeit der Mädchenbildung dokumentierte sich auch in der Errichtung eines eigenen Schulgebäudes in der Moltkestraße.
Dieses Bildungsangebot musste wegen der großen Resonanz in der Bevölkerung schon bald erweitert werden, das wurde an der Einweihung eines neuen größeren Gebäudes in der Moltkestraße im Jahre 1913 sichtbar. Gleichzeitig erhielt die Schule offiziell den Status eines „Lyceums“, das zu einem „Mittleren Bildungsabschluss“ führte. Dieser war dem „Mittleren Bildungsabschluss“ für Jungen gleichgestellt. Es dominierten naturgemäß weiter die geisteswissenschaftlichen Fächer Deutsch, Geschichte und Religion sowie die Fremdsprachen Englisch und Französisch. Im Sinne der geschlechtsspezifischen Ausbildung der damaligen Zeit erhielten die Schülerinnen zudem Unterricht in den hauswirtschaftlichen Fächern. Im Jahre 1938 erfolgte die Anerkennung unserer Schule als Oberschule der hauswirtschaftlichen Form, die zum Abitur führen durfte.

Bild vom alten GymnasiumNach dem Zweiten Weltkrieg verstand sich unsere Schule, damals Mädchengymnasium genannt, als gymnasiale Bildungsanstalt mit wissenschaftlicher Ausrichtung für die weibliche Jugend der Stadt und des Umlandes. Im Jahre 1965 bezog sie den heutigen Gebäudekomplex an der Schulstraße. Seitdem hieß sie „Städtisches Neusprachliches Mädchengymnasium“ und bot eine gymnasiale Bildung mit einem breit gefächerten sprachlichen Schwerpunkt an.
Mit der Einführung der Koedukation 1967 und der „Differenzierten Oberstufe“ im Jahre 1975 entfielen die gewohnten Gymnasialtypen. Aus dem „Städtischen Neusprachlichen Gymnasium“ wurde 1975 das „Städtische Gymnasium“. Neben den sprachlichen trat gleichwertig und gleichgewichtig der naturwissenschaftliche Bildungsgang. Direktoren
Seit den 60er Jahren wurden in der Gesellschaft Forderungen nach möglichst intensiver Bildung auch für bis dahin dem Gymnasium fern stehende Bevölkerungsgruppen diskutiert. Diese wurden von unserer Schule aktiv aufgegriffen. So zeichnet sich das Städtische Gymnasium aus durch ein Bemühen um die Förderung und Integration der Absolventinnen und Absolventen der 10. Klassen der Real- und Hauptschulen, darunter auch viele Jugendliche mit einer Zuwanderungsgeschichte. In der der Jahrgangsstufe 11, heute Einführungsphase genannt, werden diese Schülerinnen und Schüler durch Methodentraining und erweiterte Stundenangebote auf die Arbeit in der gymnasialen Oberstufe vorbereitet.
Die Öffnung gegenüber ehemals bildungsfernen Gruppen, die durch schulische Förderung zu herausragenden Leistungen befähigt wurden, zieht sich wie ein „roter Faden“ durch die Geschichte der Schule.

Das Prinzip der Offenheit zeigt sich darüber hinaus in traditionsreichen Schulpartnerschaften in England, Frankreich und den USA . die von unseren Schülerinnen und Schülern regelmäßig und intensiv wahrgenommen werden. Durch die gegenseitigen Besuche wollen wir jungen Menschen Möglichkeiten eröffnen, die zum Verständnis unterschiedlicher Kulturkreise führen, persönliche Begegnungen ermöglichen, sprachliche Kompetenz fördern und somit die Grundlage zu einem interkulturellen Dialog schaffen. Diese Tradition unserer Schule bildet die Grundlage für Weiterentwicklung zur Europaschule. Durch eine reichhaltige Sprachenfolge einschließlich einer bilingualen Klasse ab Stufe 7, durch spezielle „Europakurse“ und vielfältige Angebote durch die Kooperation mit außerschulischen Einrichtungen, etwa der Bertelsmann-Stiftung, sind zentrale Voraussetzungen erfüllt.
Die Teilnahme am Bildungsprojekt „Selbstständige Schule“ (2002-2008) bot die Chance, Unterricht zielgerichtet weiter zu entwickeln. Die systematische Unterstützung des selbstständigen Lernens durch einen Methoden- und Medienlehrplan bildete ein wesentliches Anliegen. Weiterhin wurde das Förderkonzept neu gestaltet, vor allem auch durch Angebote für besonders motivierte und leistungsstarke Schüler/innen. Das Projekt stellte zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung, die wesentlich für die Ausstattung mit Neuen Medien genutzt wurden. Hinausgehend über die intellektuelle Kompetenz sieht sich die Schule verpflichtet, die personale Kompetenz zu fördern, so dass selbstständiges Lernen eingebettet wird in soziale Verantwortung.
Lernen und Lehrern bedarf der pädagogisch gestalteten Räumlichkeiten. Das Städtische Gymnasium hat durch umfangreiche Baumaßnahmen neue Möglichkeiten des Lehrens, Lernens und Lebens gewonnen. 1998 wurden Hauptgebäude und Klassentrakt durch ein großzügiges Foyer verbunden, das sich zum zentralen Treffpunkt für Schüler/innen entwickelte. Im Rahmen der Umgestaltung des Hauptgebäudes entstand die Mediothek, die als Lern- und Lebensort besonders geschätzt wird. Gegenwärtig erfährt die Schule erneut umfangreiche Erneuerungen. Das Haus der Erprobungsstufe bietet den Stufen 5 und 6 eine r übersichtliche Schule in der Schule. Im Haus der Naturwissenschaften befinden sich modern ausgestattete Experimentalräume vor allem für das Fach Chemie. Ein Sportraum, das Lernstudio für die Oberstufe und ein Theaterraum dokumentieren das Bemühen um eine ganzheitliche Erziehung. Nach der Fertigstellung der Mensa und weiterer Oberstufenräume präsentiert sich die Schule als ein Ort der Lebens und Lernens, der trotz seiner Größe auch durch seine räumliche Gliederung Zusammengehörigkeit vermitteln kann.

Wir begreifen unsere Schule damit als ein „Haus des Lernens“, das durch die Vermittlung von fachlichen, überfachlichen und personalen Kompetenzen Schüler/innen dazu befähigt, sich selbstständig die Welt anzueignen und in kritischer Auseinandersetzung mit einer Vielfalt von Wertbezügen ihre eigene Persönlichkeit zu er entwickeln. Wir bemühen uns, auf der Basis demokratischer Prinzipien und vor dem Hintergrund humanistischer Ideale und religiös ausgerichteter Grundsätze ein schulisches Leben zu gestalten, in dem der freiheitliche Gedanke gefördert und der Respekt vor der Würde des Anderen gefordert wird. Die Schule stellt sich damit vor auch den Herausforderungen, die sich durch die verlängerte tägliche Lernzeit infolge der Schulzeitverkürzung ergeben.
Unabdingbar für ein funktionierendes, gelungenes Schulleben ist dabei die enge Zusammenarbeit mit der Elternschaft, die natürlich die Bildung und Erziehung der Heranwachsenden unterstützend begleitet und die durch ihr Engagement und ihre Kompetenz das Schulleben des SG bereichert.