Projekt „Selbstständige Schule“

Das Städtische Gymnasium hat sich als eine der ersten Schulen des Landes Nordrhein-Westfalen 2003 am Projekt „Selbstständige Schule“ des Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung und der Bertelsmann Stiftung entschlossen. Dies erforderte anfangs sehr viele konzeptionelle Überlegungen, hat aber dem Städtischen Gymnasium seitdem hervorragende Möglichkeiten gegeben, vor Ort eigene Schwerpunkte wie das Methodencurriculum rasch umzusetzen.

I. Selbstverständnis

Herkunftsbewusstsein

  • Schule als Angebot an bildungsfernere Schülergruppen: 1887 Gründung als „Mädchen-Selekta“
  • Orientierung am Ziel der geschlechter- übergreifenden Allgemeinbildung > 1938: Abitur in hauswirtschaftlicher Form > 1967 Koedukation > 1975 Differenzierte Oberstufe, Name: „Städtisches Gymnasium“

Heutiges Leitbild: „Selbstständig lernen in sozialer Verantwortung“

  • Fundierte fachliche Allgemeinbildung
  • Systematische Vermittlung von fachübergreifenden Methoden-, Team- und Kommunikationskompetenzen
  • Soziale und bildungsmäßige Heterogenität als Standort- und Schulbedingung
  • Umfangreiches Wahlangebot statt fachlicher Schwerpunktsetzung
  • Förderung durch äußere Differenzierung bei Lernschwierigkeiten und besonderen Begabungen
  • Kooperation mit Kerneinrichtungen der Stadt: u.a. Bibliothek, VHS, Stadtstiftung, Bertelsmann-Stiftung, Universität Bielefeld

II. Schwerpunkte der „Selbstständigen Schule“ am SG

1. Unterrichtsentwicklung

  • Systematisches, langfristig die gesamte Schule erfassendes Training von fachübergreifenden Kompetenzen und deren Anwendung zur Förderung des fachlichen Lernens
  • Entwicklung eines Medienlehrplans
  • Entwicklung eines Förderkonzepts

2. Arbeitsorganisation in Teams

3. Steuerung eines großen Systems

  • Steuergruppe
  • Co-Management
  • Mitwirkung von Eltern und Schülern

III. Leitideen des Modellprojekts

  • Verantwortung der Schule für Programmatik, Qualität und Effektivität bzw. Effizienz der Organisation
  • Qualitätsorientierte Selbststeuerung
  • Konsequenz: Stärkung der Verantwortung und Entscheidungskompetenz dezentraler Entscheidungsebenen
  • Output-Orientierung

IV. Unterrichtsentwicklung

1. Inhalt

  • Grundlagentraining für überfachliche Kompetenzen beginnend mit Stufe 5 (Methode, Kommunikation, Team)
  • Integration des Medienlehrplans in systematische Unterrichtsentwicklung: Grundlagentraining Neue Medien (Informationsentnahme-, verarbeitung-, präsentation )
  • Aufbau von Lernspiralen zur systematischen Pflege der überfachlichen Kompetenzen (einschl. Nutzung Neue Medien) im Fachunterricht

2. Gelingensbedingungen

  • Systematische Umsetzung: Beteiligung der gesamten Jahrgangsstufe
  • Beginn in der Stufe 5 (zunächst Teilversuch in Stufe 6)
  • Verzicht auf Teilprojekte in Folgestufen, es sei denn zur Erprobung der Weiterentwicklung und als Reaktion auf Problemstellungen
  • Systemat. Qualifizierung Fortbildung (FB) für alle Beteiligten – durch schulformvertraute Kolleg(inn)en
    Anknüpfung der FB an Vorkenntnissen und -erfahrungen der Schule > Wertschätzung bisheriger Tätigkeit
    Zeitnahe FB mit dem Ziel der unmittelbaren Anwendung
    Systematische FB auch für Lernspirale im Fachunterricht > Nutzen für fachliches Lernen
  • Unterstützungssysteme: Bereitstellung eines umfangreichen Materialpools zur spürbaren Entlastung der Schwerpunkttage und der PflegeUnmittelbares Feedback
    Bereitstellung eines detaillierten Organisationsplanes für Gesamtschuljahr > Planungssicherheit

3. Förderung

Grundsätze:

  • Legitimität von Verschiedenheit und Heterogenität
  • Förderung bei Lernschwierigkeiten + besonderen Begabungen
  • Außerunterrichtliche Differenzierung > kurzfristigere Umsetzbarkeit > Überschaubarkeit der Projekte > Erfolgsaussichten
  • Binnendifferenzierung als Herausforderung

Durchführung bei Lernschwierigkeiten / zur Angleichung an Schulform

  • Themenorientierte FÖ in Kernfächern in Stufe 5 bzw. 6 bereits vor Inkrafttreten des SchG (Beispiel: FÖ Deutsch auf Grundlage Tests in Rechtschreibung…)
  • Förderangebote Kernfächer für RS-Absolventen in Stufe 11 durch Fachlehrer/innen der Fächer: nach Evaluation Umstellung auf Erhöhung der Regelstunden
  • Schüler helfen Schülern
  • Förderung in Kleingruppen durch SuS der S II für SuS der Stufen 6-8 > Lernen durch Lehren

Durchführung bei besonderer Begabung, Motivation, Anstrengungsbereitschaft

  • Drehtürmodell Stufe 6, vorher 7: parallele Erlernung von 2 neuen FS: Empfehlung Klassenkonferenz
  • Kinder-Uni: Chemie-Experimente (altersheterogene Gruppe: 8-12 J.) > Interesse > Weiterförderung nach Auswahl durch Leiter des Kurses
  • Kooperation Uni Bielefeld: Vorlesungen für 20 SuS: Stufe 11,12 > Bewerbung, Zensuren, Empfehlung Fachlehrer > > Facharbeit > Zertifikat Uni Bielefeld > Evaluation durch Abt. Pädagogik Uni Bielefeld
  • Beide Angebote mit Unterstützung Stadtstiftung GT
  • Vorbereitung auf Sprachzertifikate > Interesse

Gelingensbedingung

  • Kenntnis von Projektmanagment > Nachhaltigkeit
  • Klare personelle Zuständigkeit

V. Arbeitsorganisation in Teams

Prämisse 1: Systematische Unterrichtsentwicklung nur mit Teamstrukturen

Prämisse 2: Teamzweck: Teilprojekte der U-entwicklung

  • Bildung von Klassen-, Jahrgangsstufen- und Fachteams
  • Beginn auf der Basis der Freiwilligkeit
  • Einbeziehung von Fachlehrern/innen nicht-schriftlicher Fächer > Aufwertung, Verteilung der Belastung
  • Klassenteam: Kl.lehrer + 2 FachLuL: Durchführung Trainingstage + Koordination der Lernspiralen zur Pflege im Fachunterricht
  • Jahrgangsstufenteam: Gesamtheit der Teammitglieder > Gesamtvorbereitung der Trainings- und Lernprogramme
  • Fachteam: Fachlehrer/innen des jeweiligen Faches einer Jahrgangsstufe > Lernspirale für jeweiligen Fachunterricht
  • Genaue Definition der Aufgaben der Teamleitungen und -mitglieder
  • Zentrale Festlegung der Jahrgangsteamsitzungen, Auftaktsitzung Ende Sommerferien
  • Dezentrale Organisation der Klassen- und Fachteamsitzungen
  • Ausgeprägte Servicefunktion der Teamleitungen
  • Entlastungsstunden für Teamleitungen > Ressourcen bereit stellen

VI. Steuerung eines großen Systems – Überlegungen zu einem Schulleitungsmodell

Umsetzung dezentraler Steuerung

Steuerung im Viereck von

  1. Schulleitung
  2. Steuergruppe
  3. Funktionsstelleninhaber
  4. Personal-/Lehrerrat

Steuergruppe

Prämisse: Unterrichtsentwicklung erfordert eine Steuergruppe

Funktion

  • Zielklärung der Schulentwicklung > Schwerpunkte setzen, wo Entwicklungsbedarf > Beschränkung als Gelingensbedingung
  • Planung und Koordination der Umsetzungsstrategie
  • Koordination des Teambildungsprozesses: Arbeitsstrukturen aufbauen > Termine vereinbaren > Materialen bereit stellen > Kooperation erleichtern + Unterrichtsentwicklung begleiten > Ansprechpartner > Teamsprecher > Präsenz und Anteilnahme
  • Koordination des Informationsflusses > Berichte auf der Lehrerkonferenz

Organisation

  • 5 Mitglieder, einschl. SL + Stv. SL
  • Auswahl nach Vorerfahrung bzgl. Projektschwerpunkten und Interesse
  • Wöchentliche Sitzungen – Blockung im Stundenplan > Zeitökonomie
  • Tagesordnung mit Kurzprotokoll
  • Delegation der Aufgaben in der StGruppe nach thematischer Zuständigkeit
  • Gelingensbedingung: umfassende Fortbildung

Personalentwicklung und -führung

  • Ausschreibung der schulscharfen Stellen über INES, aber außerhalb des Regel -termins > frühzeitige Planungssicherheit
  • Befristete Verträge: Umfang, Dauer, Finanzierungsvorschläge, Unterzeichnung SL, rechtliche Unterstützung BezReg

Ressourcenbewirtschaftung

Kapitalisierung

  • Auf Grund Unterbesetzung Kapitalisierungsmittel
  • Erfolgte bzw. geplante Ausgaben vor allem für Sachmittel: Ausstattung mit Neuen Medien: Mobiles Lernen (Funknetz, Laptops, Laptopwagen, Beamer); Ausbau Mediothek (Neue und traditionelle Medien); Planung für Selbstlernzentrum; Infrastruktur für Schüler- und Elternberatung

Mitwirkung

Personalrat

  • 5 Mitglieder, Wahl auf 3 bzw. 2 Jahre
  • Umfassende Information über alle Personalmaßnahmen
  • Teilnahme am schulscharfen Verfahren
  • Information über Grundsatzentscheidung zur Leitung und Steuerung
  • Regelmäßige Berichte in Lehrerkonferenz

Schülervertretung (SV)

  • Beratende Stimme für volljährige/n Schülervertreter/in im schulscharfen Verfahren > Wahl durch Schulkonferenz
  • Teilnahme an allen Sitzungen; Genehmigung nach Voss
  • Bewertung; hohe Akzeptanz unter allen Beteiligten

VII. Perspektiven: Veränderungsnotwendigkeiten

Im Bereich der Unterrichtsorganisation

  • neue Lernzeiten (Doppelstundenprinzip, Epochalunterricht…)
  • anderes Lernen: mehr Selbstständigkeit + Ermöglichung individueller Lernwege (Binnendifferenzierung)
  • differenzierte Leistungsnachweise: Facharbeiten….

Im Bereich der Personalführung

  • Professionelle Nachqualifizierung
  • Lernzeit für das System unter Inanspruchnahme professioneller Unterstützungssysteme

Im Bereich der Steuerung eines selbst – verantwortlichen Systems

  • Aufbau eines mittleren Managements
  • Kompetenzabgrenzungen: Steuergruppe, Personalrat, erweiterte SL, Schulleitung
  • Beibehaltung der Steuergruppe als Instrument der strategischen
  • Sicherung des Informationsflusses in großen Systemen > Aufbau eines Berichtwesens
  • Systematische Qualitätsanalyse und -entwicklung

Im Bereich des Ressourcenmanagements

Handlungsspielräume durch Kapitalisierung