Lesung am 19. November 2025 in der Apostelkirche Gütersloh
Auch in diesem Jahr hat sich die SV des Städtischen Gymnasiums an der jährlichen Lesung am Buß- und Bettag in der Apostelkirche beteiligt. In ihr wird an die tausenden Menschen erinnert, die auf ihrer gefährlichen Flucht über das Mittelmeer, den Ärmelkanal oder über verschiedene Grenzen in Osteuropa ums Leben kamen.
Zwischen 12.30 und 19 Uhr gedachten Menschen aus verschiedenen Schulen und Institutionen Güterslohs sowie Vertreterinnen und Vertreter aus dem Rat, der Kultur oder der Kirchen der Menschen, die auf oder im Zusammenhang mit ihrer Flucht ums Leben kamen. Nur in den wenigsten Fällen ist ein Name bekannt. Wenn die überfüllten Boote auf dem Mittelmeer kentern, werden die meisten Menschen gar nicht geborgen und gelten als vermisst.
Die Veranstaltung, die von dem Gütersloher Pfarrer Stefan Salzmann organisiert wird, möchte diesen Menschen ihre Würde und ihre Geschichte, wenn möglich auch ihren Namen, zurückgeben. Die berührende Stille beim Verlesen der einzelnen Schicksale hat alle Beteiligten daran erinnert, wie wertvoll das Leben ist und wie wichtig es ist, Solidarität und Mitgefühl gerade gegenüber den Schwächsten zu zeigen.
Kateryna Boichenko aus der Jahrgangsstufe Q1 des SG eröffnete die Lesung mit ihrem eindrücklichen Klavierspiel, das gleichzeitig zum Nachdenken anregte. Im Anschluss begann die Lesung, die von der SV des Städtischen Gymnasiums eröffnet wurde. Es beteiligten sich Felix, Mieke, Max und weitere Schüler*innen aus der SV sowie der SV-Lehrer Christoph Ochel. Unterstützt wurde die Veranstaltung auch von Anne Haverland,

Die Schülerinnen und Schüler erinnerten an Schicksale wie die folgenden:
Am 05. 05.2025 ertranken 50 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer. Sie wurden gezwungen, wegen eines Feuers auf ihrem Boot vor Libyen ins Meer zu springen. Sie waren auf dem Weg nach Italien. Nur 2 Menschen wurden von Fischern gerettet.
Am 18.04. 2025 starben zwei unbekannte Männer. Sie ertranken im Grenzfluss Bug nahe Janw Podlaski (Polen) beim Überqueren der Grenze von Belarus nach Polen.
Am 03.04.2025 starben 12 unbekannte Menschen. Darunter waren ein 5-jähriger Junge und eine Frau aus Syrien. Es handelte sich um Mutter und Sohn. Ihr Boot war auf dem Weg nach Lesbos (Griechenland) und sank im westlichen Bezirk Ayvacik (Türkei), nachdem das Boot von der Küstenwache gerammt wurde. Nur 25 Menschen konnten gerettet werden, viele weitere werden noch vermisst.
Am 31.03.2025 starb Aziz, ein 19-jähriger junger Mann aus Algerien, aus unbekannter Ursache. Seine Leiche wurde in einem Bach in Balerna (Schweiz) gefunden, Tage nachdem er das Asylzentrum in Balerna verlassen hatte.
Laut Angaben der UN starben im Jahr 2024 mindestens 9.000 Migranten auf verschiedenen Fluchtrouten. Die Zahl der Menschen, die auf der Flucht aus in ihrer Heimat in ein neues Leben gestorben sind, hat 2024 damit einen neuen Höhepunkt erreicht. Seit 2014 gelten insgesamt mehr als 74.000 Migranten als tot oder vermisst. Dies sind nur die offiziellen, registrierten Zahlen, denn viele Fälle bleiben unbemerkt, so dass die tatsächlichen Zahlen weitaus höher liegen dürften. Die Zahlen für 2025 sind noch nicht ermittelt. Sie dürften jedoch ähnlich hoch liegen.
Als stellvertretende Schulleiterin ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass diese Menschen nicht vergessen werden.
Britta Jünemann
