Autorenlesung

02.03.2018: Autorenlesung mit Sally Perel

Jugendliche nehmen "Auftrag als Zeitzeugen" an -

Holocaust-Überlebender Sally Perel liest aus seiner Autobiographie

 

Sally Perel stellte den über 500 Schülerinnen und Schülern am 02.03.2018 in der Aula des Städtischen Gymnasiums seine bewegende Lebensgeschichte vor. Nach seinem Appell, aus der Geschichte zu lernen, erklärte er als Ziel seiner Lesereisen die Mission und den Auftrag, die Schülerinnen und Schüler als Zeitzeugen zu hinterlassen, damit diese die Wahrheit über den Holocaust und die Geschichte bewahren und weitertragen können. Den anschließenden tosenden Applaus interpretierte er als "Auftrag angenommen!"

 

„Versteckt in der Haut des Feindes“ – so überlebte Salomon, genannt Sally, Perel das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Als Sohn jüdischer Eltern 1925 in Peine, Niedersachsen, geboren, muss er mit 16 Jahren blitzschnell eine Entscheidung über Leben und Tod treffen: Kurz vor Minsk wird er mit vielen anderen Jugendlichen von deutschen Soldaten aufgegriffen. Sie werden befragt und im Angesicht des Todes antwortet er auf die Frage des Soldaten: „Nee, ich bin doch kein Jude! Ich bin Volksdeutscher!“ Und es wird ihm geglaubt. Er erfindet sich neu, nennt sich Josef und ist fortan nur noch als „Jupp“ bekannt, wird geschätzt und als noch Minderjähriger zu Beginn des russischen Winters zum Schutz sogar an die Akademie für Jugendführung der Hitlerjugend geschickt. Es beginnen vier lange Jahre, die „für mich vier Ewigkeiten“ waren, so beschreibt Perel diese Zeit. Als jüdischer Junge, ständig in Angst entdeckt zu werden, assimiliert er zu einem echten Hitlerjungen, der sich sehr schnell mit seiner falschen Identität, aber auch tatsächlich mit der NS-Ideologie identifiziert. „Das Schicksal hat mich gegen meinen Willen in die Naziwelt gezogen und um zu überleben, habe ich das nie in Frage gestellt.“ „Zwei Seelen in einem Körper“ vereint, Jude und Nazi, Opfer und Täter - nur möglich wegen seines unerschütterlichen Drangs zu leben. Nur mit dem Aspekt, warum das jüdische Volk vernichtet werden muss, war er nicht einverstanden, aber das konnte er keinem sagen.

Sally Perel erzählte in seinem fast zweistündigen Vortrag viele Begebenheiten, die die Schülerinnen und Schüler gespannt verfolgten, die das Schicksal der sechs Millionen getöteten Juden aus rassischen Gründen greifbar machten, die er aber auch immer mit der Gegenwart und der Welt der Schüler verknüpfte. Ohne belehrend zu wirken, betonte er das Recht auf Leben, das über allem steht, warnte eindringlich davor, rassistische Tendenzen zuzulassen, denn keiner könne sich aussuchen, als was er geboren werde. Seine Mission, der jungen Generation aufzuzeigen, dass man die „Vergangenheit in Frage stellen muss, um in der Gegenwart Fuß zu fassen“ und dass Nächstenliebe gelebt werden müsse, sonst blieben es leere Worte, wurde ebenso deutlich wie sein Appell, dass man „Toleranz und Respekt nicht nur für ein bestimmtes Volk haben kann“. Es sei ein „universelles Recht, als Mensch akzeptiert zu werden.“

Miriam Grundmeier

Gesponsert wurde diese Lesung von der Bertelsmann SE.

06.02.2018: Dirk Reinhard las aus "Train Kids"

 

 

Foto unten:

Rolf Birkholz, Neue Westfälische, Gütersloh

Am 6. Februar 2018 kam der Autor Dirk Reinhardt zum dritten Mal an unsere Schule. Im Theaterraum las er vor Spanisch Kursen der Q1 und Q2 aus seinem Jugendroman „Train Kids“, das durch die Flüchtlingsthematik in Europa auch für uns an Aktualität gewonnen hat.
In diesem Buch schreibt er über die Erlebnisse jugendlicher Migranten aus Mittelamerika. Um ihre Mütter wiederzufinden, die zum Teil seit Jahren illegal in den USA arbeiten und sie in der Heimat zurückgelassen haben, versuchen sie sich als blinde Passagiere auf Güterzügen durch Mexiko zu schlagen. Mehr als 50.000 Kinder und Jugendliche sind ständig auf diese Weise in Mexiko unterwegs. Viele von ihnen hat der Autor vor Ort getroffen, lange mit ihnen gesprochen und ihre Erzählungen zur Grundlage des Buches gemacht. Anhand vieler Fotos konnten sich die Schülerinnen und Schüler noch besser in die Geschichte hineindenken. Der Roman schildert die Abenteuer von fünf Jugendlichen, die an der Grenze zu Mexiko zufällig zusammentreffen und beschließen, die Reise gemeinsam anzutreten. Er beschreibt die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, die Freundschaft, die sich unter ihnen entwickelt, ihre Ängste und Sehnsüchte und wirft ein Schlaglicht auf ein hierzulande wenig bekanntes Kapitel der Migrations- und Flüchtlingsproblematik.

Nach einer interessanten Lesung, stand der Autor noch für Nachfragen aus der Schülerschaft bereit – alles in allem war es eine sehr gelungene Veranstaltung!