Studienfahrt an den Golf von Neapel – Tagesberichte

 

Mittwoch, 2. Tag: Herculaneum und Villa Oplontis

Als viel zu früh die Wecker schellten, wachte so mancher schreiend auf und entdeckte undefinierbare Flecken an seinen Beinen, die sich als Ergebnis der nächtlichen Mückenplage her-ausstellten. Nachdem wir irgendwann sogar Brötchen aufgetrieben hatten, machten wir uns mit der Circumvesuviana auf den Weg in die Stadt Ercolano, um die ausgegrabenen Teile der unter Schlammlawinen begrabenen antiken Stadt Herculaneum zu besichtigen.

links: Blick auf die antike Stadt

 

rechts: Haus des Neptun und der Amphitrite


Wir marschierten durch die moderne Stadt bis zum Ausgrabungsgelände. Das offenbar recht neue (und was die Toiletten betrifft noch ausbaufähige) Informationscenter thronte über dem tiefer gelegenen Gewirr von Gebäuden und Baugerüsten. Bei zunehmender Hitze begannen wir unseren Rundgang durch die überschaubare 4.000 Einwohner-Stadt. Ralf führte uns voller Elan in die Besonderheiten Herculaneums ein, bevor wir die gut erhaltenen Häuser und Wandmalereien bestaunten.

links: Annika, Nayeli, Ralf, Anne und Gina im Apodyterium

(Umkleideraum) der Thermenanlage


Besonders interessant waren die Thermen, die uns einen guten Eindruck von der damaligen Badekultur vermittelten. Weiterhin sahen (und fotografierten) wir Altare, Amphoren, erhaltene Holzreste, Gärten und einen italienischen Bauarbeiter, der der Gebärdensprache leider nicht mächtig war.

Im „Haus der Hirsche“ stießen wir auf eine etwas andere Herkules-Darstellung. Erschöpft machten wir eine Pause am Hafenbecken neben der Statue eines relativ unbedeutenden Mannes. Lars und Herr Senger machten sich trotz der prallen Sonne daran, die lateinische Inschrift zu übersetzen. Danach schlenderten wir langsam zurück (Lisa natürlich wieder barfuß), wobei der neue Springbrunnen einigen eine willkommene Abkühlung ermöglichte. Auf dem Weg zum Bahnhof erstanden wir noch ein Kilo seltsamer gelber Früchte, die als Mittagessen dienten.

Wir fuhren von Ercolano aus weiter zur Villa Oplontis, die Nero einst für seine Frau Poppea erbauen ließ. Während Frau Röhlinghaus mit einer verärgerten Dame am Eingang kämpfte, wurden unsere tollen gelben Früchte von einem offenbar blinden Mann zertrampelt, der einfach über uns gestolpert war. Schließlich bestaunten wir die riesige Villa, die über mehrere Trakte sowie ein ca. 60 Meter langes Schwimmbecken verfügte. Wer noch genug Energie übrig hatte, konnte u. a. sehr detailgetreue Vogelmalereien ansehen.

links: Vogelmalerei im „Flur“ der Villa Oplontis


Nach einer Pause im Schatten der Eingangshalle kehrten wir ins Villaggio zurück.

Zur Erholung nutzten wir den Pool, z. B. durch das Einstudieren eines Wasserballetts. Der Hunger wurde mit mehreren Kilo Wassermelone bekämpft.

Abends rafften wir uns noch einmal auf und fuhren nach Sorrent, wo wir in gemütlicher Runde Pizza, Pasta & Co aßen. Sehr idyllisch war der Blick von den Serpentinen hinab auf die nächtliche Bucht, den wir bei einem anschließenden Spaziergang genießen konnten. Es folgte ein Bummel durch die Straßen, wobei wir feststellten, dass Italien so etwas wie gesetzlich festgelegte Ladenöffnungszeiten ebenso wenig kennt wie eine Straßenverkehrsordnung.

Gina Bierfischer