Studienfahrt an den Golf von Neapel – Tagesberichte

 

Donnerstag, 3. Tag: Pompeji

Nach einem wieder einmal fürchterlich frühen Frühstück und einem wie üblich leicht lebens-gefährlichen Marsch zum Bahnhof brachte uns die Circumvesuviana nach Pompeji. Derjenige, der auf die übermäßig intelligente Schnapsidee gekommen ist, den Gruppeneingang ans Ende der Welt zu legen, würde es eindeutig verdienen, zu Tode gefoltert zu werden! Nachdem wir also einmal um die einstige 10.000 Einwohner-Stadt herum gelatscht waren, kamen wir dank der Zauberformel „Albatours“ sogar umsonst hinein.

links: das Amphitheater

rechts: Gipsabdruck einer Leiche


Auf dem Weg zum riesigen Amphitheater retteten wir einem kleinen Vogel auf heldenhafte Weise das Leben, bevor wir uns in das Gewühl uralter, unebener römischer Straßen stürzten. Auf der „Via dell‘ Abbondanza“ bestaunten wir antike Fast-Food-Restaurants sowie diverse extravagante Villen und deren teils überschwemmbare Gärten. Im „Garten der Flüchtlinge“ bekamen wir anhand mehrerer Gipsleichen einen guten Eindruck des grauenhaften Todeskampfes der vom Ascheregen verschütteten Menschen.

Lars erklärte uns anschließend, dass der antike Mensch sein Mitteilungsbedürfnis mittels Graffitis ebenso umfangreich ausgelebt hatte wie der moderne Teenager. Am Isis-Tempel wurden wir von Larissa in die Besonderheiten dieses Kultes eingeführt. Die Suche nach den Toiletten (die dem antiken Standard entsprachen) gestaltete sich als ebenso schwierig und langwierig wie das Ausgraben antiker Schätze. Der Gang durch den überraschend kleinen Puff namens „Lupanar“ zauberte den meisten Besuchern ein Lächeln aufs Gesicht. Die Wärme und eine wie üblich stets forschen Schrittes wandernde Frau Röhlinghaus forderten um die Mittagszeit ihren Tribut, sodass das Forum kurzerhand zur (wenn auch etwas harten) Liegewiese umfunktioniert wurde.

oben: der Isis-Temel

rechts: Erfrischung auf der Via dell‘ Abbondanza (Annika, Larissa, Denise und Lars)


 

Daraufhin schoben wir uns durch die Thermen. Wo damals Händler planschten, schliefen heute Hunde und klickten Kameras. Aufgrund der allgemeinen Erschöpfung ersparte Frau Röhlinghaus uns gnädigerweise den Marsch zum „Haus des Fauns“. Stattdessen schlenderten wir über die Gräberstraße zur „Villa dei Misteri“. Unsere Kult-Beauftragte Larissa informierte uns ausführlich über den Dionysos-Kult, dem die farbenfrohen Wandmalereien in der Villa gewidmet sind. Mit inzwischen qualmenden Füßen und knurrenden Mägen schleppten wir uns zurück zur Bahn.

oben: Wandfries in der Villa dei Misteri

rechts: Antike und Moderne – Straßenschilder im Vergleich

Einige rafften sich abends doch noch einmal auf, um (nach einem haarsträubenden Kampf mit den italienischen Straßenverhältnissen) endlich in den Genuss des Strand-Feelings zu kommen. Teils unterhaltend, teils schwimmend verbrachten wir einen friedlichen Abend direkt am Meer und ließen uns auch von der einbrechenden Dunkelheit nicht vertreiben. In der Musikbar „Soleluna“ ließen wir den Tag ausklingen.

Gina Bierfischer