Studienfahrt an den Golf von Neapel – Tagesberichte

_______________________________________________________________________________________________

Freitag, 4. Tag: Capri

Die Übergabe
Nach einem – nur für die Schwindelfreien unter uns – angenehmen Abstieg, befinden wir uns im Hafen von Sorrent, der nur durch eine eher mäßig befestigte Eisentreppe von der höher gelegenen Stadt aus zu erreichen ist.
Da wir uns inzwischen an den italienischen Lebensstil gewöhnt haben, schicken wir unsere “Patin” Frau Röhlinghaus in das Ristorante “La Kambusa”, wo sie ganz nach Art der Mafia die Übergabe der Fahrkarten für die Fähre nach Capri regelt. (Diejenigen von euch, die etwas mehr Spannung erwarten, können sich an dieser Stelle ein rauchiges und zwielichtiges Hinterzimmer vorstellen.)
Mit einem gewinnenden Lächeln verlässt unsere Patin die “La Kambusa” und tritt mit uns die Überfahrt nach Capri an.


Capri

Die kalkhaltige Insel beeindruckt uns schon von Weitem mit ihrem rauen, grünen Relief und ihrer überwältigenden Schönheit, über die wir sogar die an Land herrschenden, gefühlten 40°C im Schatten vergessen.
Im Hafen angekommen beginnen wir auch sofort mit dem Aufstieg. Für die Geographen ist Capri topographisch gesehen wunderbar, für uns einfache Lateiner bedeutet das allerdings Anstrengung und durchgeschwitzte T-Shirts.
Für alle Lateiner? Nein. Eine von einer unbeugsamen Neugier beseelte Lehrerin stürmt vorneweg, so als würde sie jeden Tag die 138m zum Ort Capri hinauflaufen. Die vorbeiziehenden, schönen Häuser, Villen, Gärten und die engen, gepflasterten Gassen auf dem Weg nach Capri nehmen wir kaum war, wir achten nur auf den Weg vor uns.

oben: Marina Grande

Als wir jedoch auf einer Bergterrasse in Capri stehen und die Aussicht genießen, wird uns bewusst, wie wunderschön der beschrittene Weg doch war.
Wir setzen uns in ein Café, genießen einen eisgekühlten Kaffee und lehnen uns zurück. In diesem Moment scheint alle Anstrengung vergessen, wir haben unser Ziel erreicht…

rechts: Fußweg zur Villa Iovis mit einem herrlichen Panoramablick auf den Hafen von Capri

Wie brutal man doch wieder auf dem Boden der Tatsachen landen kann! Nach dem Besuch einer Kirche, in der die Originalfliesen aus der Villa Iovis verfliest worden sind, zeigt Frau Röhlinghaus auf eine Frage nach der Lage der Villa Iovis grinsend hinter sich und sagt: “Da müssen wir hoch!” (Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass sie auf den Felssporn des 334m hohen Monte Tiberius im Osten der Insel gezeigt hat, oder?)
Die Gruppe, inzwischen an solche zehrenden Strapazen wie die sengende Mittagssonne und den steilen Verlauf der Gassen und Wege gewöhnt, macht sich auf, ihrem Ruf als Lateiner gerecht zu werden.

oben: geschafft! Pause vor der Villa Iovis

Wenn ein gewisser Punkt im Maße der körperlichen Anstrengung erreicht ist, beginnen auf einmal die Gedanken flexibler und beweglicher zu werden. So ist es nicht verwunderlich, dass sich einige von uns in wilde und tiefgründige philosophische Diskussionen mit Herrn Senger stürzen, die den Weg zur Villa Iovis wesentlich angenehmer und kürzer werden lassen.
Die Villa Iovis ist ein großer Gebäudekomplex, der von Tiberius in den Jahren 26 – 37 n. Chr. als Rückzugsort benutzt und geschätzt wurde und einen überwältigenden Ausblick über die ganze Insel und den Golf von Neapel bietet. Sozusagen ein “all inklusive”- Ausblick der Antike.

rechts: Reste der Villa Iovis

Auf dem Rückweg machen einige von uns einen Abstecher zum “Arco Naturale”, einem aus einer einstigen Grotte entstandenen Felsbogen. Legende zufolge, flögen nachts Geister durch die malerische Öffnung dieses Bogens. Geister haben wir zwar nicht gesehen, aber beim Anblick der tief hinunter ragenden Steilklippe wurde mancheinem dennoch mulmig zumute.
Alles nichts, was nicht durch ein schönes Eis im Hafen wieder gut zu machen wäre.

links und rechts: der Arco Naturale

Das Fazit: Die verschwitzten, von Sonnenbrand und Mückenstichen gebeutelten Körper sind die Erkundung Capris auf jeden Fall wert, da die raue und wilde Schönheit der Beschaffenheit, Landschaft und Architektur der Insel bis unter die Haut und direkt ins Herz geht.

Larissa Bauschen