19.09.2023

„Wohnen im Wandel“ ist einen Preis wert

Gütersloher Schüler*innen werden für eine historische Podcastreihe ausgezeichnet

Seit 50 Jahren gibt es den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Im Jubiläumsjahr gehören auch Schüler*innen aus Gütersloh zu den Landessiegern: Zwei Klassen des Städtischen Gymnasiums wurden auf der Landespreisverleihung NRW am 18.09.2023 in Bonn für ihr gemeinsames Projekt „Wohnen in Gütersloh im Wandel“ ausgezeichnet.

In einer 13teiligen Podcastreihe erarbeiteten die damaligen Klassen 9b und 9e im letzten Schuljahr ganz unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben in Gütersloh während der letzten 200 Jahre. Eine Episode ging den Wohnbedingungen von Tagelöhnern und Hilfsarbeitern während der Industrialisierung nach, eine andere beleuchtet das Leben von Vertriebenen und Geflüchteten, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Gütersloh kamen. Der Einsatz von Zwangsarbeiterinnen in Gütersloher Betrieben, das Leben britischer Soldaten in und außerhalb der Kasernen oder die Einrichtung des ersten Frauenhauses sind weitere Themen, denen sich die Schüler*innen in ihrer mehrmonatigen Projektarbeit widmeten. „Zwei Klassen und insgesamt 43 Teilnehmende zu koordinieren, war nicht immer einfacher. Aber es hatte den Vorteil, dass wir zu ganz vielen Themen recherchieren und auf die unterschiedlichen Interessen der Schüler*innen eingehen konnten “, erklärt Britta Jünemann. Die stellvertretende Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums betreute mit ihrer Kollegin Charlotte Läzer das erfolgreiche Projekt als Tutorin. Mit dem Einsprechen und Schneiden der Podcasts oder der Redaktion eines Instagram-Profils mit historischen Fotos zum Thema begeisterten die beiden Lehrerinnen auch diejenigen, die Geschichte nicht unbedingt zu ihren Lieblingsfächern zählen.

Vor der Produktion stand aber doch die historische Recherche. An insgesamt vier Vormittagen kamen die Klassen zur Gruppenarbeit im Stadt- und Kreisarchiv Gütersloh zusammen. Dank guter Vorbereitung konnten sie dort gleich mit der Arbeit an Originalquellen beginnen. „Die Klassen hatten ihre Themenlisten schon im Vorfeld verschickt, so dass wir in Ruhe überlegen konnten, welche Akten oder Zeitungen für die jeweilige Gruppe interessant sind“, erinnert sich Dr. Franz Jungbluth. Der Archivpädagoge des Kreisarchivs und Stadtarchivarin Julia Kuklik hatten die Recherchetage des Projekts gemeinsam vorbereitet und betreut. So konnten beide Archive die Auswahl aus ihren Beständen aufeinander abstimmen und die Gruppen hatten gleich mehrere Ansprechpersonen für Rückfragen oder wenn einmal Schwierigkeiten beim Lesen alter Schriften auftauchten.

In der Schule und in den Archiven steckte also jede Menge Teamwork hinter der Podcastreihe, über deren Erfolg sich Julia Kuklik besonders freut: „Stadtarchiv und Städtisches Gymnasium sind schon seit Jahren offizielle Bildungspartner und haben einige historische Projekte mit Schüler*innenn auf den Weg gebracht. Schön, dass diese Arbeit durch den Erfolg beim Geschichtswettbewerb jetzt über Gütersloh hinaus bekannt wird!“

Mit dem Landessieg haben die Podcasts des Städtischen Gymnasiums sich nun auch für die zweite Bewertungsrunde auf Bundesebene qualifiziert. Mit viel Glück geht es nicht nur nächste Woche nach Bonn, sondern in zwei Monaten sogar noch nach Berlin: Die fünf besten Arbeiten auf Bundesebene werden Mitte November in Schloss Bellevue vom Bundespräsidenten persönlich ausgezeichnet.

Von Franz Jungbluth

Ergänzung vom 30.11.2023

Am 18. September 2023 wurden die 250 Landessieger des Geschichtswettbewerbs im Haus der Geschichte in Bonn für ihre erfolgreichen Beträge geehrt. Darunter waren auch die jetzigen Klassen 10b und 10e des Städtischen Gymnasiums, die die Jury mit ihrer Podcastreihe zum Wohnen in Gütersloh im Wandel der Zeit beeindruckten. Jeder der Schüler*innen erhielt eine Urkunde. Stellvertretend nahmen Greta und Loresa den Preis für die beiden Klassen entgegen. Begleitet wurden die Klassen von den Geschichtslehrer*innen Britta Jünemann und Michael Brunnert.

Ein großer Dank gilt auch Charlotte Läzer, die die Projektarbeit maßgeblich begleitet hat.

Im Anschluss informierten sich die Schüler*innen in der Dauerausstellung im Haus der Geschichte noch über die Geschichte der BRD und der DDR nach 1945, bevor es dann zurück nach Gütersloh ging. 250 Euro erhielt jede Klasse für die Klassenkasse.