08.04.2022

School-Talk mit Jihan – einer jesidischen IS-Überlebenden – und Háwar.Help

Am 4. Mai findet in unserer Aula eine Veranstaltung mit einer jungen jesidischen Frau statt, die 2014 vom IS verschleppt wurde und überlebt hat. Die Veranstaltung wird organisiert von der SV und der Schulleitung. In der 3./4. Stunde spricht Jihan mit der Jahrgangsstufe EF und in der 5./6. Stunde mit der Jahrgangsstufe Q1. Ausgangspunkt ist ein Film, in dem Überlebende des IS-Terrors berichten und der vor Ort im Irak entstanden ist.

Die Jesiden sind Angehörige einer alten und friedensliebenden monotheistischen Religion, die über Jahrhunderte Verfolgung erleiden mussten. Über 100.000 Jesiden hauptsächlich aus der Türkei, dem Irak und Syrien haben mittlerweile in Deutschland Zuflucht gefunden. 2014 eroberte der IS den Irak, und damit auch das größte zusammenhängende Siedlungsgebiet der Jesiden im Sindschar-Gebirge bei Mossul, wo ca. 500.000 Jesiden lebten. Etwa 7.000 jesidische Frauen wurden entführt, als Sex-Sklavinnen gehalten und mit IS-Kämpfern zwangsverheiratet. Tausende jesidische Männer wurden erschossen, Jungen wurden als Kindersoldaten zwangsrekrutiert und die Dörfer zerstört. Hundertausende Jesiden wurden vertrieben. Der IS wollte die Gemeinschaft und das Volk der Jesiden vernichten. Jihan gelang die Flucht aus der IS-Gefangenschaft. Bei der Veranstaltung wird sie von ihrem Schicksal berichten und mit den Schülerinnen und Schülern diskutieren.

Jihan hat über ihre Erlebnisse auch ein Buch geschrieben. Sie erzählt darin von dem Martyrium, das sie als damals Zehnjährige erleidet, als am 03. August 2014 der Islamische Staat in ihrer Heimat im Nordirak einfällt und der bis heute anhaltende Völkermord an den Jesiden beginnt. Sie nannte ihr Buch „Die schlimmste Zeit meines Lebens.“ Nach zehnmonatiger Gefangenschaft beim IS gelang es ihr, mit einem Teil ihrer Familie nach Deutschland zu fliehen.

Die Veranstaltung wird von der Menschenrechtsorganisation Háwar.Help organisiert. Die Organisation beschreibt ihre Ziele so: „HÁWAR.help setzt sich tagtäglich für eine Welt ein, in der sich jeder Mensch unabhängig von Herkunft, Glauben, Geschlecht oder Lebensweise selbstbestimmt und in Sicherheit entfalten kann. Eine Welt, in der die Menschenrechte als höchstes Gut geachtet werden und Frauen und Kinder keine Angst haben müssen, Chancen zu ergreifen und groß zu denken. Eine Welt, in der Bildungsinitiativen und offene Gesellschaften insbesondere die Menschen unterstützen, die vom Leben gezeichnet sind und trotzdem den Mut aufbringen, weiter zu machen. Es ist noch ein weiter Weg bis dahin. Aber auch wir machen weiter.“

https://www.hawar.help/de/

Bei den SCHOOL TALKS von Háwar.Help soll ein Dialog mit Schülerinnen und Schülern entstehen. Jihan und ein Aktivist der Organisation sprechen in offener und sicherer Atmosphäre über Menschenrechte und Diskriminierung sowie die Verantwortung der Weltgemeinschaft für die Wahrung der Menschenrechte. SCHOOL TALKS sollen die Empathie der Jugendlichen stärken. Die Schülerinnen und Schüler werden durch den SCHOOL TALK inspiriert, sich nicht nur besser zu informieren, sondern sich in ihrem Umkreis auch stärker zu engagieren.

In allen Religions- und Philosophiekursen der EF und Q1 wurden bzw. werden die Schülerinnen und Schüler in der Woche vor oder nach den Osterferien auf die Veranstaltung vorbereitet, indem sie grundlegende Informationen über die Religion und Kultur der Jesiden erhalten sowie über den Völkermord im Sindschar-Gebirge 2014 erfahren.